15. Februar 2009 – Oschatz – Zum Faschingsumzug in Oschatz lief auf einem Fahrzeug, welches am Umzug teilnahm, lautstark das Lied „Opa war Sturmführer bei der SS“ der verbotenen Rechtsrockband „Landser“. Trotz der Aufforderung die Musik abzuschalten, wurde die Musik mit ihren menschenverachtenden Texten weitergespielt. Ein Zeuge unterrichtete daraufhin die Polizei. Als diese am Tatort Ort des Geschehens eintrafen waren, die Jugendlichen bereits verschwunden. Der Zeuge nannte das Nummernschild des Traktors, woraufhin die Polizei Anzeige erstattete.

23. Februar 2009 – Mügeln – Am 23. Februar 2009 wurde bekannt, dass es einen erneuten Einbruch in einer Gartensparte in Mügeln, wo Jugendliche bereits 2008 von (Neo)nazis angepöbelt wurden, gegeben hat. Dabei handelt es sich vermutlicherweise um eine Racheaktion der Besucher eines politisch rechtsorientierten Jugendclubs. Dieser brannte kurz davor ab, was zum Anlass genommen wurde, das Ereignis politisch aktiven Jugendlichen anzuhängen.

07. März 2009 – Mügeln - In der Nacht zu Samstag kam es in Mügeln erneut zu einem Angriff auf Menschen indischer Herkunft. Wie bei der Hetzjagd zum Stadtfest 2007 wurde die Pizzeria „Piccobello“ attackiert. Die Angreifer sollen nach Mitternacht gegen Türen und Scheiben des bereits geschlossenen Lokals geschlagen haben. Aufgeschreckt durch den Krach sind zwei Angestellte auf die Straße gerannt, wo sie auf zwei Männer sowie eine junge Frau stießen. Nach einem Wortwechsel hätten die Männer unter anderem mit einem Schlagring auf den 43-jährigen Mitarbeiter der Pizzeria eingeprügelt. Eines der Opfer erlitt einen Nasenbeinbruch. Ein zweiter Angestellter kam mit blauen Flecken an den Armen davon. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung gegen zwei Tatverdächtige. Einer der Angreifer wurde zwischenzeitlich festgenommen. Er soll stark alkoholisiert gewesen sein. Laut Staatsanwaltschaft sei ein „ausländerfeindlicher Hintergrund“ nicht auszuschließen.

16. März 2009 – Mügeln – Eine Besucherin der Pizzeria „Piccobello“ in Mügeln wurde im Laufe der Woche nach dem Verlassen des Lokals mit einem Feuerwerkskörper beworfen. Als die Frau nach dem Grund fragte, bekam sie zu hören, dass sie selber Schuld sei, wenn sie bei den Indern einkaufe.

03. April 2009 – Mügeln – Das Fahrzeug eines alternativen Jugendlichen wird am frühen Abend beschädigt. Später versammeln sich ca. 20 bis 30 überwiegend dem rechten Spektrum zuzuordnende Personen auf dem nahe liegenden Anger und bepöbeln dort grillende Jugendliche. Es werden Parolen wie „Vive le Courage leckt uns am Arsch“ gerufen. Es werden Flaschen und Steine auf die Jugendlichen geworfen. Die Jugendlichen werden unter polizeilichem Geleitschutz nach Hause gebracht. Augenzeugen berichten, dass sich die (Neo)nazis daraufhin auf dem städtischen Marktplatz, zum Teil mit Sandhandschuhen bewaffnet, sammeln und scheinbar nur auf Opfer warten. Am späten Abend wird ein Mann von etwa 10 bis 20 Personen vom Marktplatz durch die Mügelner Straßen in Richtung Ampelkreuzung und weiter entlang der Wermsdorfer Straße gejagt und geprügelt. In wie weit die Person Verletzungen erlitt, ist bisher unbekannt. In der Nacht lauern mehrere Neonazis alternativen Jugendlichen an deren Fahrzeugen auf. Diese bemerken es jedoch rechtzeitig und warten bis sich die Nazis zurückziehen. Sie können daraufhin ungehindert abreisen.

09. April 2009 – Mügeln – Am Abend zieht eine Gruppe von Mügelner (Neo)nazis grölend durch Mügeln. Sie skandieren Parolen wie „Vive le Courage leckt uns am Arsch“, die sich gegen den vor Ort aktiven soziokulturellen Verein richten.

18. April 2009 – Mügeln
– In der Nähe des „Filmriss“, einer unter (Neo)nazis beliebten Kneipe/Bar, versuchen zwei (Neo)nazis rumänische Gastarbeiter tätlich anzugreifen. Zeugen sprechen von lautstarken, sich wiederholenden „Sieg Heil“-Rufen und NSDAP-verherrlichenden Gesängen.

19./20. April 2009 – Mügeln – Im gesamten Mügelner Stadtgebiet werden Aufkleber der neonazistischen Partei NPD verklebt.

27. und 28. April 2009 – Mügeln – Wieder werden in mehreren Mügelner Straßenzügen Naziaufkleber entdeckt.

30. April 2009 – Mügeln – In Mügeln versuchen mehrere Personen aus dem neonazistischen Umfeld bei einem nicht-rechten Jugendlichen in die Wohnung einzudringen. Sie sprechen Drohungen aus und zerstören dessen Briefkasten. Die Polizei muss gerufen werden.

30. April 2009 – Mügeln – Nicht-rechte Jugendliche werden von einer Gruppe (Neo)nazis mit Hiebwaffen (vermutlich Baseball-Schläger) durch Mügeln gejagt, können jedoch fliehen. Nahezu gleichzeitig wird eine nicht-rechte Person von 3 stadtbekannten (Neo)nazis zusammengeschlagen. Die geschädigte Person erlitt Hämatome, Prellungen und eine Platzwunde am Kopf. Anzeige wurde erstattet.

30. April 2009 – Mügeln – Etwa zehn bis zwanzig rechtsgerichtete Jugendliche versammeln sich vor dem Vereinsdomizil des Vive le Courage e.V., welches als alternativer Treffpunkt fungiert und versuchen die Nutzer_Innen des Objektes anzugreifen. Als die Polizei eintrifft fliehen die (Neo)nazis.

08. Mai 2009 – Oschatz – Im Zeitraum vom 08 bis zum 12 Mai wurde nach Angaben der Polizeidirektion Westsachsen in Malkwitz (bei Oschatz) auf die Straße Am Sportplatz sowie auf die Außenwand eines Gebäudes drei Hakenkreuze geschmiert.

21. Mai 2009 – Mügeln – Erneut stehen mehrere Personen aus dem neonazistischen Spektrum vor dem Haus eines nicht-rechten Jugendlichen und sprechen Drohungen aus. Auf dem Mügelner Markt werden andere nicht-rechte Jugendliche ebenfalls von dieser Gruppe angepöbelt. Eine Person, welche dem alternativen Spektrum zuzuordnen ist, wurde von einem Neonazi ins Gesicht geschlagen und dadurch leicht verletzt.

21. Mai 2009 – Mügeln – Am Mügelner Markt zeigt der Beifahrer eines bekannten (Neo)nazis den Hitlergruß und schreit „Sieg Heil“.

21. Mai 2009 – Mügeln – Am späteren Abend werden die Scheiben der Eingangstür des Vereinsdomizils des Vive le Courage e.V. mit Steinen eingeworfen. Die Täter können in Richtung Mügelner Markt fliehen. Eine Passantin welche die Szenerie beobachtete und einen der Täter erkannte, gab dies den inzwischen herbeigerufen Polizeibeamt_Innen an, diese nahmen es jedoch nicht auf. Anzeige gegen Unbekannt.

23. Mai 2009 – Mügeln - Auf dem Nachbargrundstück des Vereinsdomizils des Vive le Courage e.V. randalierten Unbekannte. Es ist davon auszugehen, dass die Täter den alternativen Jugendtreff als Anschlagsziel im Visier hatten, jedoch aufgrund unzureichender Ortskenntnisse sich im Haus irrten.

26. Mai 2009 – Oschatz – Ein 14-Jähriger Schüler wird in Oschatz von zwei vermummten Personen angegriffen, kann sich aber verteidigen. Die angegriffene Person ist Antifaschist bekannt und wurde diesbezüglich schon öfters Opfer von Bedrohungen und Beleidigungen bekannter (Neo)nazis.

12./13. Juni 2009 – Mügeln – In der Nacht von Freitag zu Sonnabend werden erneut mehrere Scheiben vom Vereinsdomizil des Vive le Courage e.V., welcher schon öfters Anschlagsziel von (Neo)nazis war, eingeschlagen. Die Polizei kann am Tatort einen Aufkleber, mit der Aufschrift „Nationaler Sozialismus oder Untergang“, sicherstellen.

13./14. Juni 2009 – Oschatz – In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag werden die Gäste einer privaten Feier im E-Werk Oschatz, welches als alternativer Treffpunkt für nicht-rechte Jugendliche bekannt ist, von ca. 15 – 20 Personen des neonazistischen Spektrums bedroht. Der Eingang wird blockiert und Gäste werden beleidigt und bedroht. Obwohl nur 300 Meter vom Geschehen entfernt, hielt es die Polizei nicht für notwendig, sofort zu helfen. Stattdessen meint einer der Polizisten am Telefon: „Dass kann man doch auch so regeln“.

13./14. Juni 2009 – Mügeln – Auch in der folgenden Nacht vom Sonnabend zum Sonntag werden Scheiben des Jugendtreffpunktes, unter anderem mit Wurfgeschossen wie z.B. Bierflaschen, zerstört.

19./20. Juni 2009 – Schweta – Während des Parkfestes im Park von Schweta (nahe Mügeln) sammeln sich zu später Zeit immer mehr (Neo)nazis im Festzelt und beleidigen und bedrohen andere Festbesucher, welche mit dem Verein Vive le Courage e.V., der sich öffentlich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ausspricht, in Verbindung gebracht werden. Mehrere Personen zeigen den Hitlergruß. Erst ein Einschreiten des Sicherheitspersonals kann schlimmeres verhindern.

08./09. Juli 2009 – Oschatz – Unbekannte Täter schmierten in Oschatz ein ca. 1m x 1m großes Hakenkreuz auf dem Parkplatz des ehemaligen Diska-Marktes in der Friedensstraße. Die sofortige Entfernung des Hakenkreuzes wurde veranlasst. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

12. Juli 2009 – Oschatz – Gegen 02.30 Uhr greifen ca. 30 vermummte Personen, welche dem neonazistischen Spektrum zugeordnet werden können, das als alternativ geltende E-Werk in Oschatz an. Der Angriff scheint gut geplant zu sein und dauert nur ca. 5 Minuten. Die Täter attackieren die Besucher eines zu diesem Zeitpunkt im E-Werk stattfindenden Punk-Konzertes mit Steinen, Flaschen und pyrotechnischen Erzeugnissen. Eines der Opfer wird niedergeschlagen und erleidet Rippenprellungen. Notarzt und Polizei müssen herbeigerufen werden. Die Angreifer können in der Zwischenzeit unbemerkt entkommen.

01. August 2009 – Mügeln – Gegen Mitternacht werfen 2 Personen mit Glasflaschen die Fensterscheiben vom Vereinsdomizil des Vive le Courage e.V. ein und treten die Eingangstür auf. Am nächsten Tag stellt sich einer der Täter, ein stadtbekannter (Neo)nazi, selbst der Polizei.

23. August 2009 – Mügeln – Gegen 02.00 Uhr greifen ca. 15 Mügelner (Neo)nazis das Vereinsdomizil des Vive le Courage e.V. an. Sie versuchen vergeblich, die Eingangstür des Hauses einzutreten, um sich somit Zutritt in das Haus und den sich darin befindlichen Personen zu verschaffen. Die verständigte Polizei trifft ca. 15 Minuten später ein und nimmt die Personalien der Täter auf. Kurze Zeit später wird ein nicht-rechter Jugendlicher von 2 Personen, welche sich zuvor an dem Angriff auf den Jugendtreffpunkt beteiligten, tätlich angegriffen und verletzt. Das Opfer erlitt eine Platzwunde am Kopf. Die Angreifen waren mit Zaunslatten, Quarzsandhandschuhen und Schreckschusspistolen bewaffnet.

28. August 2009 – Mügeln – Am späten Abend versammelten sich etwa 50 (Neo)nazis vor dem Vereinsgebäude des Vive le Courage e.V.. Die stadtbekannten Rechten griffen zuerst das Haus und später die eintreffende Polizei mit Bierflaschen, Steinen und Pyrotechnik an. Die Polizei konnte einen direkten Angriff auf das Gebäude vorerst verhindern und nahm eine Person in Gewahrsam. Die (Neo)nazis führten die ganze Zeit über Elektroschocker, Schreckschusspistolen, Schlagringe, Teleskopschlagstöcke und ähnliche Gegenstände mit sich und zeigten vor den Augen der Polizei den Hitler-Gruß. Außerdem waren rechte Parolen wie „Sieg Heil“ oder „Heil Hitler“ zu hören. Der Einsatzleiter der Polizei äußerte sich wie folgt zur Situation in Mügeln: „Ich bin zum ersten Mal in der Kleinstadt und hier herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände“.
Nachdem die Neonazis vor dem Haus abzogen waren, griffen sie kurze Zeit später einen Jugendlichen an. Er habe von mehreren Mügelner Rechten Schläge ins Gesicht erhalten.

29. August 2009 – Oschatz – Im Laufe des Bezirksklassespiels FSV Oschatz gegen Roter Stern Leipzig kam es zu Provokationen seitens der Oschatzer Fans. Als mindestens eine Person aus dem Oschatzer Fanblock den Hitlergruß zeigte, kam es zu einer kleineren Rangelei zwischen Oschatzer Fans und Gästefans. Obwohl das zeigen des Hitlergrußes eindeutig eine Straftat ist, wurde nicht vom Hausrecht gebrauch gemacht und die betreffenden Personen des Platzes verwiesen. Bei Abfahrt der Gäste kam es erneut zum Zeigen des Hitlergrußes in Richtung der Mannschaft und Fans von Roter Stern Leipzig.

04./05. September 2009 – Mügeln – Um die 30 bis 40 (Neo)nazis streifen zum Teil bewaffnet mit Elektroschockern und Hiebwaffen durch Mügelns Straßen. Am späteren Abend kommt es zu Angriffen auf das Vereinshaus des Vive le Courage e.V.

11/12. September 2009 – Mügeln – ca. 50 (Neo)nazis aus Mügeln und Umgebung versammeln sich auf dem Mügelner Marktplatz. Zu späterer Stunde versuchen einige von ihnen die Wohnung eines nicht-rechten Jugendlichen zu stürmen. Es kommt zu Sachbeschädigungen und offenen Drohungen. Dem betroffenen Jugendlichen wird daraufhin die Wohnung gekündigt.

28. September 2009 – Oschatz – In Oschatz wird ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund von einer 6 Personen starken Gruppe rechtsorientierter Jugendlicher zuerst mit rassistischen Äußerungen beschimpft und anschließend tätlich angegriffen. Einer der Angreifer bedroht das Opfer mit einer Schreckschusspistole.

03. Oktober 2009 – Mügeln – Am späten Nachmittag kam es zu einem tätlichen Angriff eines stadtbekannten (Neo)nazis auf einen nicht-rechten Jugendlichen, welcher auf dem Weg zum Vereinshaus des soziokulturellen Vereins Vive le Courage e.V. war. Der Täter schlug dem Opfer ohne jede Vorwarnung ins Gesicht. Dabei erlitt die geschädigte Person eine Nasenbeinfraktur, welche im Krankenhaus operativ behandelt werden musste.

26. Oktober 2009 – Mügeln – Drei dunkel gekleidete Personen lauern einem alternativen Jugendlichen in der Nähe seiner Wohnung auf und attackieren diesen. Durch mehrere Faustschläge in sein Gesicht erleidet dieser leichte Verletzungen. Mit den Worten „das war noch nicht alles“ ließen die Täter von ihrem Opfer ab und flüchteten in Richtung „Filmriss“, einer unter Mügelner (Neo)nazis beliebte Kneipe.
Es wurde mehrmals versucht, das Opfer bereits im Vorfeld der Tat mit Drohbriefen und Drohanrufen einzuschüchtern.

16. November 2009 – Mügeln – Am späten Abend gegen 22.00 Uhr wurde ein Anschlag auf das Vereinsdomizil des Vive le Courage e.V.. Die Täter warfen einen Sprengkörper (vermutlich eine sogenannte Kugelbombe der Klasse 4) in den Vorraum des Gebäudes. Die Detonation zog Wände, Türen und Fenster im Inneren des Gebäudes in Mitleidenschaft. Nur durch Zufall befand sich zum Zeitpunkt des Anschlages keine Personen im Haus.

26. Dezember 2009 – Mügeln – Am späten Abend werden in Mügeln zwei, vor dem Vereinsdomizil des Vive le Courage e.V. geparkte, Fahrzeuge z.T. schwer beschädigt. Es wurden Seitenspiegel abgetreten sowie Scheiben eingeschlagen. Aufgrund des Inhaltes, einer kurz darauf in (rechten) Szenekreisen kursierenden Ketten-SMS, die sich positiv auf die Tat bezog, ist von einem politisch motivierten Anschlag von (Neo)nazis auszugehen.

26. Dezember 2009 – Cavertitz – In Klingenhain (bei Cavertitz) wurde eine Sinti-Familie Opfer eines rassistisch motivierten Brandanschlags. Das Haus und der Caravan-Handel der Familie brannten dabei völlig aus. Zu Personenschäden kam es glücklicherweise nicht, da die Familie die Weihnachtsfeiertage bei Verwandten verbrachte. Dieser Anschlag war der traurige Höhepunkt eines nahezu sechsjährigen Martyriums antiziganistischer Anfeindungen und Übergriffe durch die Dorfbevölkerung.